Den Ball los lassen
Hallo alle zusammen!
Mein erster Eintrag auf diesem Blog soll von dem handeln, was mich zur Zeit (aus sportlicher Sicht) am Meisten beschäftigt:
Meine Blödheit.
Genau, meine zum Himmel schreiende, im wahrsten Sinne des Wortes schmerzhafte Blödheit.
"Train hard, but train smart!" - den Satz hab ich oft gelesen, und "Yeah", dachte ich mir immer, "ich bin keiner von diesen Idioten, die nicht wissen, wo die Grenze ist!" HA! Wisst ihr was? Ich bin's doch. Aber gut, ich fange mal von vorn an:
Vor dem Judo-Training spielen wir zum Aufwärmen immer eine halbe Stunde lang eine Mischung aus Basketball und Rugby - nur mit weniger Regeln. Ich nenne das gerne "Ruggetball". Es wird gezerrt, gezogen, getackelt, gecheckt und geslamt - also an sich ne tolle Sache. WENN man weiß wo die Grenze ist. Nun kam es vor ein paar Wochen so, dass ich mal wieder den Ball hatte (in dem Moment sollte man nicht zu viel Zeit verlieren, da man sonst schlicht Plattgewalzt wird). Niemand zum Abgeben in Sicht - ich spurte also los, schlage Haken durch die gegnerischen Reihen, arbeite mich vor den feindlichen Korb und - werde umgeholzt. In dieser Situation sammeln sich die meisten Spieler um den am Boden liegenden und ziehen und zerren an ihm herum, um an den Ball zu kommen. Gibt dieser das runde Ding aber nun nicht her, wird eben nachgeholfen. In meinem Fall waren das erstmal zwei gegnerische, ich schätze mal Mittelgewichte, die versuchten, meinen Griff zu lösen. Bis dahin kein Problem - ich blieb standhaft. Dann kam ein Schwergewicht aus meiner Mannschaft dazu, und legte sich obendrauf, um selber an das begehrte Rund zu kommen. DAS wäre der geeignete Moment gewesen, das Scheißding abzugeben. Aber nein, weit gefehlt - Peter sein großer Krieger, Peter nicht aufgeben! Peter spielen dämliches Spiel, bis gewonnen, oder nix mehr atmen Luft!
Es kam, wie es kommen musste: Ein Schwergewicht der anderen Mannschaft wuchtete sich auch noch auf meinen, inzwischen ungünstig verdrehten Körper, und bildete auf diese Weise einen fleischigen, laut ächzenden Turm des Schmerzes.
Und DAS war dann der Moment, in welchem ich panisch versuchte, die unheilbringende Todeskugel los zu werden. Zu spät. Ich merkte nur noch, wie etwas in oder an meiner Schulter kaputt ging.
Ich spielte noch weiter, merkte aber, dass ich bestimmte Bewegungen vermeiden sollte. Ich trainierte sogar noch mit, ohne all zu große Schmerzen. Erst in der Umkleide, als meine Muskeln abkühlten, merkte ich, WIE bescheuert ich war: Ich konnte mein T-Shirt kaum anziehen, ohne zu schreien. Meine Jacke konnte ich mit dem rechten Arm gar nicht halten. Auto fahren wurde zur Herausforderung, denn mit rechts konnte ich nicht schalten. Also mit rechts Lenkrad halten und mit links die Schaltung bedienen. Sieht sicher witzig aus. Ist es aber nicht.
Dank Wärmelampe und Pferdesalbe wurde es schnell besser. Eingeschränkt bin ich aber noch immer, und das seit nunmehr bald drei Wochen. Drei Wochen ohne Training, und das in meiner Vorbereitung zur Gürtelprüfung.
Und alles nur wegen meinem falschen Ehrgeiz. Alles nur, weil ich zu stolz war, diesen scheiß Ball abzugeben, während einem völlig bedeutungslosen Aufwärmspiel.
"Warum erzählt er das alles?", fragt sich der Eine oder Andere vielleicht. Nun, wahrscheinlich, weil ich langsam Alt werde, und das Bedürfnis habe, simple Wahrheiten in ausufernde Großvatergeschichten zu packen. Aber da müsst ihr durch, und haltet euch fest, denn hier kommt sie, die Moral der Geschichte, auf die ihr so gespannt gewartet habt, des Pudels Kern, das hüpfende Komma, der springende Punkt. Die simple, aber auf sämtliche Lebensbereiche übertragbare, Dalai Lamische Weisheit:
Bevor irgendwas kaputt geht, einfach den Ball loslassen.
suckerpunch am 19. Oktober 11
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren